Schwarze Eiche
(2017)

«Schwarze Eiche» is a work from an introduction course on digital illustration. We were asked to illustrate the text «Schwarze Eiche» (Black Oak) by Nina Weber so that it would authentically integrate into the currently existing publishing series.

Context

Coursework,
Digital Illustration

Draussen vielleicht ein Tiger. Wir sitzen in deinem Zimmer und stellen uns ein Feuer vor. Wir halten die Hande über das Feuer und berühren mit unseren Fingerspitzen unsere Fingerspitzen. Aus deine vielen Pflanzen wachsen uns Arme entgegen und aus den Armen Blüten.

Draussen vielleicht ein Tiger unter haushohen Bäumen mit mit Blätter gross wie Leintücher. Draussen vielleicht ein schwarzes Gewässer ohne Spiegelung. Draussen vielleicht Efeu und Schlangen um die haushohen Bäume wachsend unter den Blättern gross wie Leintücher. Draussen vielleicht Bewegungen und hinter den Bewegungen ihre Schatten. Draussen vielleicht Kälte und Katzen. Draussen vielleicht ein Tanz innerhalb vieler Körper. Draussen vielleicht mit Möglichkeit gefüllte Dunkelheit.

In deinem Zimmer stapeln sich Bücher, stehen abgebrannte Kerzen mit gebrochenem Docht. Ich kam herein und sagte, hallo. Du sagtest, das ist mein Zimmer, in diesem lebe ich mein Leben. Draussen ist es anders, sagte ich. Das stimmt, sagtest du, wenn es aber draussen anders ist, dann ist es nur so anders, wie es anders ist, als es hier drinnen ist. Das ist kompliziert, sagte ich. Das ist wunderschön und wichtig, sagtest du und dann setzte ich mich ans Feuer und berührte mit meinen Fingerspitzen deine Fingerspitzen.

In deinem Zimmer tausend Bilder an der Wand. In deinem Zimmer ein Pfau, der nicht schreit und immer ein Rad schlägt. Der Pfau hat in sich ein Gestell und keine Seele, hat in sich ein Gestell aus Draht. In deinem Zimmer der Teppich auf dem man schlafen möchte. Wenn wir uns küssen, dann geht das Feuer in uns hinein und durch unsere Münder geht es von dir zu mir und von mir zu dir.

Draussen hat jemand mein Fahrrad geklaut und die Realität tut in den Augen weh.

Du schaust durch dein Zimmer hindurch zum Fenster hinaus, bei mir draussen ist es Nacht und bei dir drinnen ist das Feuer rot und beweglich.